Prolog Der Graf

Die Nacht hatte alles Leben in sich aufgesogen. Der Regen war einem dumpfen Nebel gewichen, der die Felder und Wiesen hinter den Baumreihen, die das Grundstück säumten, verschluckt hatte. In der Stille war das Geräusch der Wassertropfen zu hören, die von den Blättern fielen und das gelbe Licht einer vereinzelten Straßenlaterne malte die Umrisse eines alten Ahornbaumes in die trübe Nacht. Das monotone Rauschen des nahegelegenen Flusses klang fast so, wie Autos auf einer nassen Fahrbahn Richtung Süden. Ein leichter Westwind wehte durch die Luft, die nach frisch gemähtem Gras und den letzten Sommerstrahlen roch. Der Herbst stand vor der Tür. Aber noch war Sommer, ja, noch war Sommer. Und was für ein Sommer. Ein praller Sommer, ein heißer Sommer, ein Sommer voller Liebe und Lebenslust. Das Getreide und die Früchte waren üppig und der Wein schmeckte so, als würde die Zeit innehalten um die volle Blüte und die letzte Süße auszukosten. Die Frauen trugen bunte Farben und kurze Röcke und das Leben war schön. Da der Natur nun die letzten Farben entwichen waren, so als hätte ein Maler transparentes Schwarz über die Landschaft gestrichen, zog der Mond seine Bahn durch die Wolken über das dunkle Firmament und mit ihm die Nacht. Das kleine, weiße Haus mit dem Schieferdach stand etwas abseits. Eine große Motte flatterte in das trübe, gelbe Licht der Straßenlaterne, deren Beleuchtung kaum die Häuserwand erreichte. Die Jalousien waren geschlossen, mit Ausnahme eines kleinen Fensters aus Milchglas, welches zur Straße hin zeigte. [..]


Das FußballHandbuch

Dieses kleine Fußballhandbuch wird mit einigen typischen Klischees aufräumen. Es wird auch Stimmen und Meinungen zu Wort kommen lassen, die im Grunde genommen niemanden interessieren und letztendlich wird es mehr Fragen als Antworten zurück lassen. Dennoch ist es ein wesentlicher Beitrag zum Verständnis des Runden, welches ins Eckige muss und den vielen Dingen, Personen und Geschichten rund um eine der schönsten Nebensachen der Welt.

Denn entscheidend ist immer noch auf dem Platz!

Christoph Maria Holstein

Minimonster & Co.Kinderbücher

Minimonster sind recht zutraulich und die meisten sind lieb. Dennoch sollte man erst einmal vorsichtig sein, wenn man einem Minimonster begegnet und man sollte unbedingt die Hinweise in diesem Buch beachten. Wenn man sich richtig verhält, kann man mit Minimonstern viel Spaß haben und sie können gute Freunde werden. In diesem Buch lernt ihr Theo, Jeff und die Garagenbande kennen und erfahrt, wie es dazu kam, dass Theo ein echter Detektiv wurde.

Viel Spaß beim Lesen und keine Angst, Minimonster sind eigentlich nicht sehr gefährlich.

Christoph Maria Holstein

Graphics & Paintings

Malen ist Freiheit - Freiheit des Geistes. Während des Schaffensprozesses, ganz gleich ob in der Malerei, der Bildhauerei, des kreativen Schreibens oder anderen künstlerischen Ausdrucksweisen, entflieht man der Realität. Man taucht ein in andere Sphären, erkennt ein anderes 'Ich' und begibt sich in die Isolation des Geistes, losgelöst vom irdischen Dasein. Bewusst kann man zeichnen, weltliche Dinge festhalten. Unterbewusst aber kann man neue Dinge schaffen, die kosmische Energie ergreifen und auf Leinwand oder Papier bannen.

Hier finden Sie Arbeiten angewandter und experimenteller Malerei, Grafiken, Foto- und Computerkunst.

Christoph Maria Holstein

Upcoming Der Graf

[..] Dr. Falkenburg war ein stattlicher, gut aussehender Mann. Sein Gesicht, mit den stechenden, braunen Augen und dem prägnanten Kinn eines Mannes, der sich nicht scheut, seine Meinung zu vertreten, wurde eingerahmt von wallendem, pechschwarzem Haar, welches an den Seiten ergraute. Der perfekt sitzende, graue Anzug über dem blitzweißen Hemd, die goldenen Manschettenknöpfe, das Einstecktuch, der nicht zu übersehende prächtige Ring am Finger, all dies verlieh ihm die Aura eines Mannes, der das Leben zu nehmen wusste. Der Graf schüttelte ihm die Hand. „Es ist mir ein Freude Sie kennen zu lernen.“ Oh, die Freude ist ganz meinerseits lieber Herr Graf, man hört ja nur Gutes über Sie.“ „Danke, bitte setzen Sie sich doch.“ Dr. Falkenburg nahm auf dem bequemen Ledersofa Platz. „Möchten Sie etwas trinken? Ich hätte einen guten Tropfen Whiskey da.“ „Sehr gerne, danke.“ Der Graf holte zwei Gläser, reichte dem Doktor eines, goss beiden reichlich ein und machte es sich in seinem Sessel gemütlich. Die Blicke von Falkenburg schweiften über die Bücherregale. „Beachtliche Sammlung, haben Sie die alle gelesen?“ Der Graf wirkte abwesend. „Wie? Ja, ich bewahre nur Bücher auf, die ich als besonders lesenswert erachte, um sie vielleicht irgendwann noch ein zweites Mal zu lesen.“ Falkenburg musterte den Grafen. „Und, haben Sie schon eines ein zweites Mal gelesen?“ „Sicher“, seine Blicke schweiften ins Nirgendwo, „sicher, den Fänger im Roggen und die Schatzinsel von Salinger und Stevenson.“ Er fuhr sich über das Kinn. „Das Universum in der Nussschale in Teilen, Stephen Hawking, sehr begabter Wissenschaftler.“

Der Graf rückte sich im Sessel zurecht. „Also, lieber Dr. Falkenburg, was führt Sie denn zu mir?“ „Nun, es ist so, ich möchte Sie bitten, einige Nachforschungen in einer privaten Sache anzustellen. Vorab, ich hatte mich an den Herrn Hauptkommissar gewandt, welcher mich an Sie verwies, weil ich ihm sagte, dass ich das Ganze sehr vertraulich und ohne viel Aufhebens behandelt wissen möchte. Es ist so, ich spiele hier diese Woche ein Schachturnier.“ „Das ist mir bekannt, natürlich. Wäre mir nicht ein dringender Auftrag dazwischen gekommen, hätten Sie mich auch unter den Zuschauern entdeckt aber fahren Sie fort.“ „Nun, es ist so, während eines Turniers hat jeder Spieler so seine Rituale. Der eine macht Yoga, der nächste löst Kreuzworträtsel, wie auch immer. Ich selber habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mich in einer Meditation vollkommen auf das bevorstehende Spiel einzulassen. Ich verlasse sozusagen für die Dauer der Partie die reale Welt, um mich von nichts und niemandem ablenken zu lassen und mich voll und ganz aufs Spiel zu konzentrieren. Um das zu symbolisieren ziehe ich immer vor einer Partie meinen Schmuck aus, ziehe immer ein graues Jackett an. Nie schwarz oder Anthrazit, nein, immer grau. Und graue Socken. Nennen Sie es einen Tick aber tatsächlich bin ich vor Jahren schon einmal zu einer bedeutenden Partie zu spät am Brett erschienen, weil ich noch einen Abstecher in ein Bekleidungsgeschäft machen musste, um mir graue Socken zu kaufen.“ Der Graf sah Falkenburg unverwandt an. „Ich weiß, was Sie denken lieber Herr Graf, natürlich, würde ich auch aber es ist einfach so, diese Rituale eignet man sich an um sich zu entspannen, zu konzentrieren und irgendwann gehen sie so in Fleisch und Blut über, dass man ihnen entsprechen muss. Denn tut man das nicht, würde man im Nachhinein darüber nachdenken und könnte die dringend erforderliche Aufmerksamkeit nicht mehr in vollem Umfang aufbringen.“ Der Graf räusperte sich. „Nun, sehr verständlich. Bitte fahren Sie fort.“

„Um es kurz zu machen, natürlich habe ich meine Sachen zusammen mit dem Schmuck in meinen Koffer getan und ihn, wie üblich, meinem Manager anvertraut. Als ich die Sachen nach dem Abend wieder in Empfang nahm und anziehen wollte, fehlte mein goldener Ring. Ein recht wertvoller Ring, der mir aber vor allem persönlich sehr viel bedeutet, er ist ein mit Geld nicht zu ersetzendes Andenken. Nun gut, zuerst habe ich natürlich meinen Manager befragt, der mir aber versicherte, er habe den Koffer weder geöffnet, noch hätte ihn jemand anders in die Finger bekommen, da er ihn in unserem abgeschlossenen Schrank aufbewahrt hatte.“ „Sie vertrauen ihm?“ „Herr Graf, genau darum geht es, ich vertraue ihm sogar sehr. Er hilft mir seit Jahren bei meinen Angelegenheiten. Kümmert sich um Termine, um Reisen, um die Sicherheit. Er ist inzwischen eher ein Freund denn ein Angestellter. Und nun wissen Sie auch, warum ich mich an Sie wende. Ich habe kein Interesse daran, dass irgendetwas publik wird oder dass die Mühlen der Justiz anfangen zu mahlen, ohne dass ich korrigierend einschreiten kann. Jeder Mensch macht Fehler und im Zweifelsfall würde ich doch ganz gerne für mich selber abwiegen wem man welche Fehler zu verzeihen breit ist. Sehen Sie, ich glaube sicher nicht, dass mein Manager etwas damit zu tun hat, die Frage ist nur, wer sonst. Es hatten nicht viele Leute Zugang zu den Räumen, unter anderem die anderen Spieler. Sie können sich vorstellen, dass ich nicht unbedingt möchte, dass es an die Öffentlichkeit gelangt, falls einer von Ihnen den Ring gestohlen haben sollte. Immerhin kennt und respektiert man sich und es würde kein gutes Licht auf unseren Berufsstand werfen.“ „Ich verstehe. Können Sie mir den Ring beschreiben?“ „Es war ein Erbstück von meiner Großmutter, die aus Istanbul stammte. Ein alter Goldring mit einem nachgebildeten Skorpion, der einen Türkis und zwei Rubine umklammert. Meine Schwester hat ihn mir geschenkt, wenige Tage, bevor sie bei einem Autounfall starb, so als hätte sie es geahnt.“ „Das tut mir leid“, sagte der Graf. Falkenburg sah aus dem Fenster. „Das ist schon lange her…“ [..]


Upcoming Die Leben des Herrn Prototo

Das Leben des Herrn Prototo ist bis zu jenem Punkt in seinem Leben schnell erzählt. Er wurde geboren 1711 als fünftes Kind eines redlichen arbeitenden Schmieds in der Brick Lane, damals noch eine heruntergekommene Straße im Arbeiterviertel von London. Während sich weiter im Zentrum Pferdekutschen ihren Weg durch die Gassen bahnten, war das Straßenbild in dieser Gegend zumeist geprägt von ärmlichen Menschen, die Ihren Beschäftigungen nachgingen. Seine Mutter war eine gescheite und fromme Frau. Sie erzog die Kinder nach christlichem Verständnis und gab Ihnen den Glauben an das Leben und die Mitmenschen, die man zu jener Zeit und auch heute noch braucht, um immerhin die Chance zu haben, wahres Glück zu erfahren. In den Augen Herrn Prototos war sie eine Heilige. Während seine beiden älteren Brüder in der Schmiede des Vaters halfen und seine Schwestern sich im Haushalt nützlich machten, wurde er zur Schule geschickt. Seine Eltern, die es ohnehin in ihrer Stellung und mit den fünf Kindern nicht leicht hatten, verzichteten auf vieles, um ihrem Jüngsten die Aussicht auf ein besseres Leben zu ermöglichen. Sein bester Freund und Schulkamerad war der Sohn eines angesehenen Lehrers, welcher mit seiner Familie ein herrschaftliches Haus in einer besseren Gegend bewohnte. Hier verbrachte der kleine Herr Prototo einen guten Teil seiner Kindheit. Angetan von der Arbeit des Lehrers, der Sprachen und Biologie unterrichtete und der Hochachtung, welche die Menschen ihm entgegenbrachten, schaute er ihm bei seiner Arbeit über die Schulter, wann immer sich die Gelegenheit bot und erlernte so im Laufe der Jahre fast spielerisch die spanische und französische Sprache. Außerdem eignete er sich einiges Wissen in den Bereichen der Medizin und der Algebra an. Im London der damaligen Zeit gab es nicht viele Akademiker und so wurde der Vater des Schulfreundes immer wieder zu Rate gezogen, wenn Menschen krank wurden und kein Arzt zur Stelle war. Zu diesen Hausbesuchen wurde der wissbegierige Herr Prototo regelmäßig mitgenommen und durfte seinem persönlichen Lehrer voller Stolz assistieren. Nach einigen Jahren wurde sogar nach seiner Meinung gefragt, wenn es um schwierige Diagnosen ging. Der kleine Herr Prototo war das Kind, welches sich der Lehrer immer gewünscht hatte und so war es ihm natürlicherweise ein inneres Anliegen, diesem so viel von der Welt beizubringen, wie er es nur eben vermochte.

Der eigentliche Grund für Herrn Prototos häufige Anwesenheit allerdings, war die jüngere Schwester seines Freundes, Charlotte. Herrn Prototos erste große Liebe. Als sein, damals noch neuer, Schulkamerad ihn zum Spielen mit zu sich nach Hause genommen hatte, sah er sie zum ersten Mal. Nie würde er diesen Tag vergessen. Ein perfekter Tag, an dem es so schien, als hätte es sich die Sonne zur Aufgabe gemacht, die ganze Schönheit der Natur in all ihrer Pracht einem jeden Lebewesen für immer ins Gedächtnis zu brennen. Charlotte saß auf einer roten Holzschaukel, welche mit zwei geflochtenen Seilen am ausladenden Ast eines alten Kastanienbaums befestigt war. Eingerahmt wurde das Ganze von einem Apfelbaum und einem, alles überwuchernden, Himbeerstrauch, welche allesamt vor der dichten Buchenhecke im großzügigen Garten der Eltern wuchsen. Charlotte! Ihren Namen kannte er damals noch nicht aber ihre bloße Erscheinung war engelsgleich und er war sofort verzaubert von diesem unschuldigen und anmutigen Wesen, welches so lebendig und fröhlich strahlte in diesem Garten Eden. Das Sonnenlicht, welches sich gleißend hinter ihrem zartem Körper ergoss, ließ Ihre langen blonden Haare zu purem Gold werden und als Sie sich umwandte, als er zum allerersten Mal ihr Gesicht sah und sie ihn so unschuldig anlächelte, als hätte es niemals ein Leid auf dieser Welt gegeben, wusste er, dass er dieses Mädchen eines Tages heiraten würde. Für ihn schien sie, auch in den Jahren danach, der Inbegriff des Glücks zu sein. Möglicherweise erklärt die Tatsache dieser unerfüllten Liebe seine spätere Angst, Glück zuzulassen wenn es ihm begegnete. Vielleicht fürchtete er stets zu sehr, es wieder zu verlieren. Vielleicht fühlte er sich auch unwürdig oder schuldig an diesem und jenem, so dass er kaum wahrnahm, was andere in ihm sahen. Wie auch immer die Wahrheit aussehen mochte und welche Wünsche Herr Prototo zu jener Zeit auch hegte, das Leben oder das Schicksal hatten eigene Pläne mit ihm.

Nachdem er die Schule beendet hatte wurde die Welt geschüttelt von einer tiefen Wirtschaftskrise, die die zivilisierte Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern drohte. An eine gute Arbeit oder gar ein Studium war nicht zu denken. Es ging um das nackte Überleben in einer trostlosen Zeit des damaligen London. Herr Prototo war gerade siebzehn Jahre alt als er, sich seiner Verantwortung seine Familie trotz widriger Umstände zu unterstützen bewusst, nach Frankreich ging, wo er sich als Hafenarbeiter verdingte. Seine unerfüllte Liebe zu Charlotte trieb ihn hinaus in die Welt und schließlich auf die See. Einen guten Teil seiner Heuer zu dieser Zeit schickte er seiner Familie daheim. Er war gerade zwanzig Jahre alt als er, dank seiner Bildung und seines charismatischen Auftretens, nun, da er ein stattlicher, gut aussehender junger Mann geworden war, das Kommando über einen Viermaster übernahm. Einige Jahre und Abenteuer später hatte er im Dienste der englischen Krone ein kleines Vermögen angehäuft. Im Sinne des Königs (und seiner selbst) betrieb er einen regen Handel mit Waren jedweder Art und unterstütze die englische Flotte nach Kräften. Nicht ohne dabei seine Herkunft zu vergessen. So hatte er zu jener Zeit neben all den Neidern und Gegnern des British Empires einige Gute Freunde, die ihm bedingungslos zur Seite standen. Sein Vater, zu dem er Zeit seines Lebens aufgeschaut hatte, war in seiner Abwesenheit gestorben, aber Herr Prototo konnte es sich inzwischen leisten, seiner geliebten Mutter und seinen Geschwistern mit seinem Geld ein gutes Leben zu ermöglichen. Sein Liebesleben würde man heutzutage, mit Ausnahme der Schiffsreisen vielleicht, als ausschweifend bezeichnen. In London und Paris gab es zu jener Zeit nicht wenige Frauen, die ihm ihr gebrochenes Herz zu verdanken hatten. Nun allerdings hatte er sich verlobt. Fortuna hatte ihm das Ebenbild seiner ewig währenden Jugendliebe Charlotte in Form einer auffallend hübschen und klugen Französin geschenkt und da er inzwischen ein angesehener Mann im besten Alter war, hielt er um ihre Hand an. Menschen, die ihnen auf der Straße begegneten, redeten hinter vorgehaltener Hand über diesen gut aussehenden und allem Anschein nach wohlhabenden Mann, in Begleitung jener anmutigen Dame mit goldblondem Haar und den feinen Gesichtszügen, die an alte Königsgeschlechter erinnerte. Bis zu jenem Zeitpunkt hätte einem normalen, bürgerlichen, ja sogar glücklichen und erfüllten Leben des Herrn Prototo nichts im Wege gestanden. Fortuna schien ihm gewogen. Doch wiederum hatte das Schicksal andere Pläne mit ihm. [..]



Upcoming Pfandraub

[..] „Passe…“ Mike warf seine Karten offen auf den Tisch. „Tja Ladies, keinen Flush aber immerhin die zwei Könige. War mir zu heiß, ist aber auch scheißegal!“ Mike lehnte sich zurück, faltete die Hände hinter dem Kopf und starrte an die Decke des Gartenhäuschens. „Ist mir alles scheißegal, ich mach’s! Klar, ich mach’s! Ich werde verarscht? Gut! Dann verarsche ich eben auch. Ziehe ich durch das Ding, was soll’s? Ist doch sowieso alles durch, die Scheiße mit dem Geld und dem Urlaub und mit den ganzen verfickten Überstunden und dem Leben!“ Latte warf XL einen flüchtigen Blick zu. XL räusperte sich. Wenn ein Freund ernst wurde, also Töne anschlug jenseits des normalen, spaßigen, geruhsamen, freundschaftlichen Miteinanders, hielt man als guter Freund ebenfalls inne und hörte zu und wurde auch ernsthaft. Das passierte ganz natürlich, ganz selbstverständlich. „Ich meine das verdammt ernst!“ Mikes Blicke gingen durch die Zimmerdecke in eine mögliche Zukunft, wobei die Spanne reichte von einigermaßen erfreulich, mit Betonung auf einigermaßen, bis hin zu extremst unerfreulich.

XL räusperte sich noch einmal und setzte sich auf. „Bist du dir da sicher? Ich meine… Du weißt, was ich meine, im Ernst?“ Mike holte tief Luft. „XL mein guter, alter Freund“, und dabei sah er ihm tief in die Augen, gab ihm eine kleine Kopfnuss und grinste, „ich meine es ernst.“ Er stand mit einem Ruck auf und nahm eine halbvolle Flasche Cognac aus dem Regal. Dann zündete er sich eine Zigarette an, stieß die Tür des Schuppens mit dem Fuß auf und trat auf die Wiese. Er nahm einen amtlichen Schluck aus der Flasche und schleuderte selbige mit einem lauten Fluch in die Buchenhecke. Natürlich wollte er die angrenzende Steinmauer treffen um den Schaden zu maximieren, aber nach all den Bieren und Schnäpsen gab es eben anstelle des erwarteten Knalls von zerplatzendem Glas, das mehr oder weniger dumpfe Geräusch einer in einer Buchenhecke verschwindenden Cognacflasche. XL steckte sich ebenfalls eine Kippe an und trat in den Garten. „OK, wie ist der Plan?“ „Der Plan?“ Mike trat mit einem weiteren Fluch einen Stein weg der, Ironie des Schicksals, gegen die Steinmauer prallte und setze die Bierflasche an, die er als Backup zum Cognac in der linken Tasche seiner Jeans deponiert hatte. Er nahm eine gute Mündfüllung und starrte XL an mit einem Blick irgendwo zwischen totalem Unverständnis, völliger Resignation und trotziger Aufbruchsstimmung. „Der Plan? Ich klaue das Pfand auf dem Hof. Klar Mann! Ich klaue das Pfand. Nicht im Sinne von Klauen natürlich, ich bringe das runter in die Gewölbe, ich verstecke es, wie wir‘s uns überlegt haben.“

Latte hatte sich dazu gesellt und starrte nun auch in die Dunkelheit. „Wir brauchen Ausrüstung. Taschenlampen, Dietriche, die Schlüssel von den Staplern und von den Katakomben…“ Mike warf seine Kippe ins Gras und trat sie mit dem Fuß aus. „Latte, Alter, klingt fast so, als hättest du schon alles geplant Mann. Das ist echt locker von dir aber das ist so ein Ding, das ziehe ich besser alleine durch, reicht doch, wenn sie einem von uns die Lichter ausknipsen. Latte Mann, du hast echt was auf dem Kasten, dir können die nichts. Du machst gute Arbeit für einigermaßen Kohle, was wollen die denn mehr? XL alter Haudegen“ und dabei legte er die Hand in den Nacken seines Freundes und senkte kurz den Kopf. „Echt geil von dir aber du hast eine Tochter Mann. Und eine Perle die echt in Ordnung ist, scheiß auf den Stress zwischendurch, das gehört halt dazu. Ne, im Ernst Leute, ich weiß das echt zu schätzen aber für mich ist das in Ordnung so, ich ziehe das durch und entweder das haut hin oder ich wandere ein im Sinne der Gerechtigkeit des kleinen Mannes. Aber euch sollen die nicht dran kriegen, das wär’ echt Scheiße.“ „Willst du mich verarschen?“ XL schnippte seine Kippe weg. „’Nicht dran kriegen’, du solltest dich mal hören Mike.“ Und dabei fuchtelte er etwas hilflos mit seinem Zeigefinger, setzte aber sofort wieder eine gewichtige Miene auf. „Also jetzt hör du mir mal zu, mein Freund. Du bist verarscht worden und jetzt verarschst du zurück! Und wir“, er machte eine Geste Richtung Latte und ihm selbst, nickte betont langsam mit dem Kopf und verlieh seinen Gesichtszügen etwas fatalistisches, so als wäre das Ende der Menschheit besiegelt, „wir mein Freund“ und dabei tippte XL Mike seinen Zeigefinger auf die Brust, „wir sind auch verarscht worden! Denn wenn ein Freund verarscht wird, dann wird man selber verarscht und das ist fast noch schlimmer, als wenn man wirklich selber verarscht wird. Denn wenn man selber verarscht wird kann man dem Verarschenden sagen ‚hey, du Arschloch, genug verarscht, jetzt verarsche ich dich und das wird kein Spaß’ aber wenn ein Freund verarscht wurde… Du weißt, was ich meine, Mike.“ „Ich weiß was du meinst. Danke Mann, danke Latte.“ Er schlug Latte auf die Schulter und gab XL einen imaginären Kinnhaken. “Aber Jungs, das hier heißt im normalen Leben Einbruch, Vorstrafe, wenn‘s schlecht läuft Knast. XL rieb seine Handflächen und richtete sich gerade auf. „OK Leute, in die Hütte zur Lagebesprechung!“ Latte verschwand in der Hütte, während Mikes entschlossener Blick einem Lächeln wich. [..]


Christoph Maria Holstein

Christoph Maria Holstein

Freiberuflicher Consultant, Texter und Designer.

Für alle Fragen rund um die Themen Marketing- und Medienberatung besuchen Sie bitte meine Website unter » CDDC

Studium an der FH Mainz im Studiengang Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Werbung / Marketing / Illustration und Abschluss als Dipl. Designer.

Künstlerische Arbeitsschwerpunkte:
Belletristik, Sachtexte, Werbetexte, Kinderbücher, sowie angewandte und experimentelle Malerei, Grafiken, Foto- und Computerkunst.

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